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«Less is More!» Gilt dieses Credo auch für die Berichterstattung?

Das Geschäftsberichte-Symposium 2018 (Center for Corporate Reporting)
In Zürich trafen sich am 14. Juni 2018 über 250 IR-Manager und Kommunikationswissenschaftler, Prüfer und Berater, um unter dem Motto «Less is More?» über das Quo Vadis des Corporate Reporting zu diskutieren: Ist weniger mehr, und wenn ja, mehr von was? Werden ESEF und XBRL den klassischen (gedruckten) Bericht obsolet machen und überhaupt, wer liest das eigentlich noch? Nachfolgend meine kommentierte Zusammenfassung.
In einem hochkarätig besetzten und perfekt inszenierten Event konnten die Teilnehmer spannende Thesen hören, Best-Practise-Beispiele sehen, selbst diskutieren und networken, aber auch mal etwas von der „anderen Seite“ lernen – also von denen, die den Geschäftsbericht auch lesen. Um damit zu beginnen: Edouard Dubois, Vice President von BlackRock und dort u. a. zuständig für die Bewertung von Unternehmen, wünscht sich „bessere“ Berichte und kritisiert zu generische, zu ausführliche und oft irrelevante Inhalte. Stattdessen fordert er Reports, die ihm insbesondere über die Nachhaltigkeit der Corporate Strategy berichten, darüber, wie Unternehmen Werte schaffen, und erst nachrangig – rückblickend – Informationen über Zahlen.

„Core-and-More“
Der Weg dorthin ist umstritten und beginnt bei Tjeerd Krumpelmans Approach, bei ABN AMRO einen integrierten Basisbericht mit knapp 100 Seiten nebst einigen ergänzenden bzw. Spezialberichten vorzulegen. Das sind bei ihm in Summe dann auch wieder über 500 Seiten, allerdings nicht stichtagsgebunden. Einen noch extremeren Weg wählt Massimo Romano, verantwortlich für das Reporting von Generali. Er strebt ein komplettes Reporting auf 2 Seiten DIN A4 an (auf nur 4 Seiten hat er es schon gebracht), wobei auch da natürlich weitere Informationen gesondert transportiert werden. „Core-and-More“ gilt so gesehen für beide.
Gemeinsamer Nenner ist zudem das Targeted Stakeholder Reporting, also die Idee, zielgruppenspezifisch zu berichten. Wichtig ist der kleine Unterschied zwischen Stakeholder und Shareholder, also die Berichterstattung nicht allein am Aktionär auszurichten. Diese Herangehensweise dient dann auch als interner Kontrollmechanismus und bietet Gelegenheit, kontinuierlich die eigene Strategie zu bewerten und zu verbessern. Spannende These.

Datenraum für Investoren 
Auch spannend war in diesem Kontext die Idee, in einer Art „Self Service Reporting“ weite Teile des Zahlenwerks und der Hintergrundinformationen in einem wie auch immer gearteten Datenraum für Investoren und Analysten bereitzustellen. Hier können sich Stakeholder die für sie relevanten Informationen tagesaktuell selbst zusammenstellen. Dieser Weg erfordert natürlich viel Disziplin und Pflege auf Seiten des Berichtenden.

Mehr und bessere Informationsgrafiken
Und zu guter Letzt, gerade für uns Agenturen sehr wichtig: Ein bedeutendes Randthema ist immer auch das plakative Design, hier insbesondere die Verbildlichung von Zahlen in Informationsgrafiken, der eine weiter wachsende Rolle zukommt. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte …

Less? More!
Über den Tag gesehen kann man «Less is More» wohl blind unterschreiben, wobei das „Less“ für den Empfänger eigentlich „spezifischer“ bedeutet und das „More“ für den Aufwand stehen wird, den wir alle betreiben müssen, um unsere Aufgaben im Spannungsfeld zwischen rechtlichen Rahmenbedingungen und Informationsbedarf der Zielgruppen zu bewältigen. Es wird nicht leichter …

Save the Date
Im kommenden Jahr findet das Geschäftsberichte-Symposium am 13. Juni 2019 – den Termin sollte man sich unbedingt freihalten.

Ich danke dem Center for Corporate Reporting für einen spannenden Tag in Zürich und natürlich Olivier Neidhart von Neidhart+Schön für die Einladung.